Vier Fragen an: Laura Dietrich und Paul Schmälzle

Baden-Baden (naf) – Die ehemaligen Schülersprecher Laura Dietrich und Paul Schmälzle besuchen momentan die zweite Kursstufe des Richard-Wagner-Gymnasiums, heißt: ihre Abiturprüfungen stehen vor der Tür.

Paul Schmälzle und Laura Dietrich auf den „Corona-Punkten“, die den Abstand zwischen zwei Schülern während des Aufenthalts auf dem Pausenhof anzeigen sollen. Foto: privat

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Paul Schmälzle und Laura Dietrich auf den „Corona-Punkten“, die den Abstand zwischen zwei Schülern während des Aufenthalts auf dem Pausenhof anzeigen sollen. Foto: privat

Von Nadine Fissl

Wie sich die Beiden und ihre Mitschüler in dieser besonderen Zeit auf die laut Dietrich „wichtigste Prüfung ihres bisherigen Lebens“ vorbereiten, das erzählen sie im Gespräch mit BT-Volontärin Nadine Fissl.

BT: Frau Dietrich und Herr Schmälzle, wie sah ein normaler Tagesablauf in den vergangenen Wochen bei Ihnen aus?

Paul Schmälzle: Also, ich habe versucht, die Struktur so gut es geht beizubehalten. Das ist nicht so einfach wie bei regulärem Schulbetrieb, aber von Schul- und Lehrerseite wurde Unterricht auch online ermöglicht, beispielsweise durch verschiedene Videokonferenzen. Teilweise wurden auch Aufgaben per Mail von den Lehrern verschickt, die wir dann meistens im Laufe des Vormittags erarbeiteten.

Laura Dietrich: Hauptsächlich geht es dabei um die Abifächer, in den Nebenfächern wurden weniger Aufgaben geschickt.

Schmälzle: Von Schul- und Lehrerseite wurde da jedenfalls das Beste gegeben.

BT: Wie gut fühlen Sie sich für Ihre Abiturprüfungen vorbereitet?

Schmälzle: Auch wenn durch den Onlineunterricht versucht wurde, alles so gut es geht zu ersetzen, merkt man auf Dauer, dass normaler Unterricht vor Ort nicht ersetzt werden kann. Da muss ich ehrlich sagen: Wäre der Schulbetrieb über die letzten Wochen normal gewesen, würde ich mich besser vorbereitet fühlen. Entgegen der Annahme vieler Politiker, dass der Stoff in allen Fächern schon durchgearbeitet wäre und es für uns Schüler kein Problem sei, sich von zuhause den Rest zu erarbeiten, ist das bei mir eben nicht der Fall. An manchen Stellen fehlt einfach noch etwas. Die letzte und kommende Woche vor Ort war und ist hinsichtlich des Abiturs auf jeden Fall nötig.

BT: Was würden Sie und Ihre Mitschüler sich vom Kultusministerium wünschen?

Dietrich: Wir wünschen uns eine Wahlmöglichkeit zwischen regulärem Abitur und dem Durchschnittsabi. Es ist aus unserer Sicht unverantwortlich, in dieser chaotischen Zeit, mitten während einer internationalen Pandemie, die wichtigsten Prüfungen in unserem bisherigen Leben schreiben zu müssen. Von der Politik wird das Ganze etwas heruntergespielt und kein großes Problem darin gesehen. Aber alleine in unserer Stufe gibt es genügend Leute, die sich um ihre Geschwister kümmern müssen, die Existenzängste von ihren Eltern miterleben oder selbst haben, oder bei denen Familienmitglieder gestorben sind.

Es sollte nicht in Kauf genommen werden, dass Schüler unter diesem psychischen Druck noch ihr Abi schreiben müssen. Wenn manche Schüler es für ihren Durchschnitt schreiben wollen, sollte es ihnen auf jeden Fall offen stehen – aber es geht eben nicht allen so.

BT: Wie nehmen Sie die Stimmung in den Klassen und bei Ihren Mitschülern wahr?

Dietrich: Bei manchen sieht man, dass sie wirklich gut und strukturiert auf sich alleine gestellt arbeiten können. Dementsprechend fühlen sie sich auch relativ gut vorbereitet. Genau so viele Mitschüler werden aber auch langsam panisch und spüren Ungewissheit. Viele sind sehr unsicher, und in unserer Klassengruppe gibt es sehr viele Diskussionen darüber. Hier werden auch oft Petitionen für ein Durchschnittsabi geteilt, was zeigt: Es ist ein sehr großes Thema.

Schmälzle: Es gibt keine vergleichbaren Möglichkeiten zur Vorbereitung des Abiturs, auch aufgrund der unterschiedlichen familiären Situation. Manche konnten und können – aufgrund der Erkrankung oder weil sie zur Risikogruppe gehören – auch die letzte und nächste Woche nicht zur Schule gehen. Für solche Fälle sollte es eine Wahlmöglichkeit geben, damit man auf die persönliche Situation abgestimmt entscheiden kann.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
10. Mai 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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