Vier Fragen an Dr. Thomas Iber

Baden-Baden (naf/fk) – Die Coronavirus-Fälle im Bundesland häufen sich und die Nachfrage nach verlässlichen Informationen steigt. Das BT hat sich mit Dr. Thomas Iber, medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, unterhalten und gefragt was für Maßnahmen er für sinnvoll hält.

„Man kann sich genauso gut schützen, wie vor jeder anderen Erkältungsgrippe“, erklärt Thomas Iber beim Interview. Foto: naf

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„Man kann sich genauso gut schützen, wie vor jeder anderen Erkältungsgrippe“, erklärt Thomas Iber beim Interview. Foto: naf

Von Nadine Fissl

BT: Herr Iber, was genau ist der Coronavirus und inwiefern unterscheidet er sich von der Influenza?

Thomas Iber: Es ist ein respiratorisches Virus, also ein Virus, das die Atemwege befällt. Er wird aus den Atemwegen heraus, also durch Husten und Niesen übertragen und verhält sich so, dass man Grippesymptome mit Fieber, Schüttelfrost, unter Umständen Knochenschmerzen hat. Das kann auch bis hin zu Atemnot, Luftnot, einer schweren Lungenentzündung oder bis zum Lungenversagen gehen, wobei 80 Prozent aller Patienten ganz milde und leichte Symptome haben, wie sie es von einer „normalen“ Grippe im Winter, ähnlich einer Influenza, kennen.

BT: Wie kann man sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen?

Iber: Vor der Infektion kann man sich genauso gut schützen wie vor jeder anderen Erkältungsgrippe. Und zwar indem man die wichtigsten, grundlegenden Hygienemaßnahmen berücksichtigt, wie das regelmäßige Händewaschen: mindestens 30 Sekunden einseifen und gut abspülen. Auch eine Husten- und Niesetikette hilft. Man sollte nicht in den freien Raum husten, sondern in die Ellbeuge. Zusätzlich kommt natürlich noch unbedingt dazu, dass man sich mit Erkältungssymptomen einfach von Massenveranstaltungen fernhält und sozusagen die häusliche Quarantäne einhält bis man wieder gesund ist.

BT: Wie soll man vorgehen, wenn man sich unsicher ist, ob man nur eine Erkältung oder den Coronavirus hat?

Iber: Wenn man sich unsicher ist, ob man daran erkrankt ist, hängt es im Wesentlichen davon ab, ob man so stark erkrankt ist, dass man tatsächlich Luftnot verspürt, starkes Fieber hat, sehr abgeschlagen ist – also starke Allgemeinsymptome zeigt oder, ob man eine ganz normale Erkältung mit Unwohlsein hat. Bei Letzterem sollte man einfach Zuhause bleiben und seinen Hausarzt telefonisch kontaktieren. Ich betone an dieser Stelle „telefonisch“. Wenn man direkt zum Hausarzt geht und sich in das Wartezimmer setzt, hat man immer das Problem, dass potenzielle Infektionen übertragen werden können. Wenn man stärker erkrankt ist oder gar Luftnot hat, dann sollte man sich selbstverständlich in die Notaufnahme der Klinik begeben, um dort entsprechend abgeklärt zu werden.

BT: Was raten Sie, wenn man keine Symptome hat, aber unsicher ist, da man mit Personen Kontakt hatte, die in einem Risikogebiet waren?

Iber: Wenn man keine Symptome zeigt, dann ist es, ganz wichtig zu wissen, dass es keinen Sinn ergibt, sich testen zu lassen. Selbst ein Test, der dann negativ ist, hat keine Aussagekraft. Man kann theoretisch dennoch zwei bis drei Tage später erkranken. Entscheidend ist aber, wenn man keine Erkrankungszeichen hat und nicht in einem Risikogebiet war (dazu zählen China, Südkorea, der Iran, zwei Provinzen in Norditalien und Südtirol), dann ist es unwahrscheinlich, dass man an Coronavirus erkrankt ist.

Zur weiteren Beruhigung kann man sagen: Medizinisch macht es keinen Unterschied in der Behandlung, ob man an Influenza, der Coronavirus-Infektion oder einer anderen Virusgrippe erkrankt ist.

BT: Und was wenn man seinen Hausarzt nicht erreichen kann?

Iber: Auch nachts und am Wochenende kann man den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116/117 erreichen. Dann wird man befragt und es werden einem gute Hinweise gegeben.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 6 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
8. März 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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