Turm-Renovierung per Webcam verfolgen

Baden-Baden (red) – Ab sofort können alle Interessierte von Zuhause aus beobachten, wie die Renovation des Turms der Stiftskirche voranschreitet: Im gegenüberliegenden Gemeindehaus am Marktplatz wurde eine Webcam aktualisiert, die alle fünf Minuten ein Bild ins Internet sendet.

Die Konstruktion des Turmgerüstes stellt die Architekten vor eine besondere Herausforderung. Foto: P. Kruse

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Die Konstruktion des Turmgerüstes stellt die Architekten vor eine besondere Herausforderung. Foto: P. Kruse

Von BT

Die aktuellen Bilder der Webcam zeigen, dass das Baugerüst bereits bis zum oberen rosafarbenen achteckigen Teil des Turms aufgebaut ist. Begonnen mit der Einrichtung der Baustelle wurde am 3. März, am 9. März startete der Gerüstaufbau, und auch ein Aufzug ist bereits installiert. Veranschlagt bis zur Fertigstellung des 61 Meter hohen Gerüsts waren acht Wochen – der Bautrupp liegt also gut im Zeitplan, heißt es in einer Mitteilung. In den nächsten Wochen können die weiteren Baufortschritte über die Webcam beobachtet werden.

Ein Highlight wird sicher die Abnahme der Petrus-Wetterfahne von der Turmspitze sein. Voraussichtlich in der letzten Aprilwoche wird dann das Gerüst komplett eingenetzt werden. Das hat drei Gründe: erstens zur Sicherheit der Arbeiter und Passanten, zweitens um die Feinstaubbelastung für die Anlieger niedrig zu halten, und drittens sollen damit die ehemaligen gefiederten Bewohner des Turms, Falken und Schleiereulen, davon abgehalten werden, in ihre angestammten Behausungen zurückzukehren. Sie sollen stattdessen ihre neu an anderen Orten im Kirchdach eingerichteten „Wohnungen“ beziehen.

Die Konstruktion des Turmgerüsts stellte die mit der Renovationsplanung beauftragten Architekten vor eine besondere Herausforderung. Denn zum einen darf die wertvolle historische Bausubstanz so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden, zum anderen besteht die Problematik, dass der Turm von drei Seiten vom Dach eingeschlossen ist, welches für die Ablastung des Gerüsts nicht in Frage kommt. Sie entwickelten eine geniale statische Sonderlösung. Dabei ummantelt das Gerüst den gesamten Turm und wird über die Glockenstube abgehängt. Dafür wurden große Stahlträger durch die Öffnungen der Schallläden in die Glockenstube eingebracht und dort befestigt. Dazu mussten zwei Glocken abgenommen werden – wobei die Turmuhr auf 12 Uhr stehen blieb. Die Stiftskirchengemeinde lädt außerdem dazu ein, mit zu renovieren und schadhafte Steine an der Turmfassade zu ersetzen. „Dafür muss niemand auf den Stiftskirchenturm klettern. Über eine Spende von einem oder mehreren Steinen erfolgt die Renovation symbolisch“, heißt es in der Mitteilung.

Zunächst wird der Turm mit heißem Wasserdampf gereinigt werden. Danach werden mittels einem behutsamen Rotationswirbelstrahlverfahren restauratorisch Verkrustungen und Schmutz entfernt. Insgesamt müssen 20 Kubikmeter Sandstein ausgetauscht werden. Bei der Renovation werden die Steinmetze mit großer Achtsamkeit arbeiten, um die sehr wertvolle Bausubstanz aus Sandstein zum größtmöglichen Teil zu erhalten. Die Schallläden sind teils so marode, dass mit der bloßen Hand Teile abgenommen werden können. Entsprechend müssen sie komplett ersetzt werden. Bei dieser Gelegenheit werden die Schallläden so neujustiert, dass der Klang der Glocken ausgewogener, schöner und etwas leiser als bisher in die Stadt hinein ertönen wird. An den Putzflächen im oberen rosafarbenen Teil des Turms werden Ausbesserungen vorgenommen und frische Farbe aufgetragen werden. Ziel ist, dem ehemaligen historischen Farbton möglichst nahe zu kommen. Dafür wird mithilfe von restauratorischen Voruntersuchungen noch nach historischen Befunden gesucht, auf deren Grundlage Bemusterungen für den Neuanstrich erstellt werden sollen. Die Schieferabdeckung ist überwiegend noch in gutem Zustand. Am hölzernen Gesims jedoch müssen Hölzer ausgetauscht werden und ist ein neuer Anstrich vonnöten. An der Kugel unterhalb der Petrusfigur hat sich eine Niete abgelöst. Die Verantwortlichen befürchten, dass an dieser Stelle Wasser eingedrungen ist. Welche Schäden sich hinter dem Blech des Dachtragwerks (von 1912) befinden, das wird erst zu sehen sein, wenn die Petrusfigur abgenommen und die Blecheindeckung geöffnet worden ist.

Die Webcam, Fotos und Videos gibt es hier.

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Erstellt:
8. April 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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