Stadtverwaltung appelliert: Gewässerverunreinigungen vermeiden

Baden-Baden (red/nie) – In den vergangenen Tagen häufen sich Beobachtungen von Gewässerverunreinigungen durch unsachgemäße Einleitungen in den Steinbach.

Nicht erlaubt: Gewässerverunreinigungen, wie diese am Dienstag im Steinbach. Sie schaden der Wasserqualität und den dort heimischen Lebewesen. Foto: Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz

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Nicht erlaubt: Gewässerverunreinigungen, wie diese am Dienstag im Steinbach. Sie schaden der Wasserqualität und den dort heimischen Lebewesen. Foto: Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz

Das städtische Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Einleitung von Schmutzwasser in die Niederschlagswasserkanalisation nicht zulässig ist.Dazu gehört beispielsweise das bei Reinigungsarbeiten auf Baustellen anfallende Schmutzwasser. Verstöße werden als Ordnungswidrigkeiten oder in schweren Fällen auch als Straftat geahndet. Insbesondere bei niedrigen Wasserständen kann das Einleiten von verunreinigten Wässern verheerende Folgen für die im Gewässer lebenden Organismen haben, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung.

Unterscheidung in Schmutz- und Regenwasser

Auf Privatanwesen anfallendes Abwasser wird unterschieden in Schmutzwasser, beispielsweise aus Waschbecken und Toiletten, sowie in Regenwasser, das auf befestigten Flächen, also Dach-, Hof- und Straßenflächen, anfällt. Für die Beseitigung der beiden Abwasserarten bestehen generell zwei verschiedene Entwässerungssysteme: Das Mischsystem, bei dem es einen gemeinsamen Abwasserkanal für Schmutz- und Regenwasser gibt, der der kommunalen Kläranlage zugeleitet wird, und das Trennsystem, bei dem es zwei Abwasserkanäle gibt. Beim Trennsystem wird in einen Kanal für Schmutzwasser, der zur kommunalen Kläranlage führt und dessen Wasser dort gereinigt wird, und einen Kanal für Regenwasser, der ohne Abwasserbehandlung oder Abwasserreinigung in Gräben, Bäche oder Flüsse mündet, unterschieden. Dies zieht nach sich, dass in Regenwasserkanäle nur unverschmutzte Abwässer gelangen dürfen.

Auch kein Grünschnitt im Wasser entsorgen

Große Teile im Stadtkreis Baden-Baden, einschließlich der Ortsteile, werden im Trennsystem entwässert. Da normalerweise Hofabläufe, also Gullys und Rinnen, an die Regenwasserkanalisation angeschlossen sind, fließt dort anfallendes Wasser direkt in ein Gewässer. Wird solchen Abläufen verschmutztes Abwasser, etwa Reinigungswasser von Malerwerkzeugen und Waschwasser, etwa von Autos, zugeleitet, führt dies zu einer Gewässerverunreinigung. Deshalb ist das Einleiten von verschmutztem häuslichem Abwasser nur in das Mischsystem oder den Schmutzwasserkanal zulässig.

Wem die Art des eigenen Hofablaufs unbekannt ist, sollte die Entleerung des verschmutzten Abwassers in die Toilette oder in das Waschbecken vornehmen. Lösemittel, die in Farben vorhanden sein können oder zur Farbverdünnung und/oder zur Reinigung von Malerwerkzeug verwendet werden, dürfen generell nicht in die Abwasserkanalisation gelangen. Die Entsorgung hat über die Sondermüllsammlung zu erfolgen. Die Stadtverwaltung „bittet alle Betroffenen, hierzu zählen unter anderem auch Maler- und Gipserbetriebe, die auf Baustellen oft mit dieser Problematik konfrontiert werden, Fehleinleitungen zu vermeiden“. Zu einer Gewässerverunreinigung kann es generell durch das Einleiten von Wasser aus Baustellen, beispielsweise Lenzen von Baugruben, Bohrspülwässer aus Baugrund- und Geothermie-Bohrungen sowie Betonschlämme, kommen. Dadurch ergeben sich negative Auswirkungen auf die Gewässerqualität und auf die dort heimischen Lebewesen. Gewässerverunreinigungen können schon in einem vermeintlich kleinen Ausmaß große Folgen nach sich ziehen. So ist etwa das Einleiten von Betonschlämmen in das Gewässer für Fische besonders gefährlich und führt bereits in kleinen Mengen zu Fischsterben. Das zuständige Fachgebiet weist zudem darauf hin, dass auch das Entsorgen von Grünschnitt in ein Gewässer nicht zulässig ist. Der Grünschnitt wird mitgeschwemmt und bleibt an kleineren Durchlässen hängen, die dadurch verstopft werden und den Wasserabfluss stark beeinträchtigen können. Oder er setzt sich in langsam fließenden Gewässerabschnitten wieder ab und beeinträchtigt die Wasserqualität negativ. Beginnt sich der Grünschnitt zu zersetzen, kommt es an diesen Stellen im Gewässer zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch und einem hohen Nährstoffeintrag. Im Laufe der Zeit bildet sich dort ein übelriechender Schlamm aus.

Enten füttern kann Wasserqualität negativ beeinflussen

„Auch durch das Füttern von Enten und Ähnlichem kommt es zu einem zusätzlichen Nährstoffeintrag, der die sehr gute Wasserqualität unserer Gewässer negativ beeinflusst. Die Nährstoffe werden weitertransportiert und führen dann im weiteren Gewässerabschnitt zu einer vermehrten Algenbildung. Deshalb informieren wir nochmals ausdrücklich, dass Gewässerverunreinigungen strafrechtliche Konsequenzen haben können“, wird das Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz abschließend in der Mitteilung zitiert . Für Fragen stehen die Mitarbeiter unter (07221) 931501 zur Verfügung.

Zwei Fälle im Rebland

Auch BT-Leser hatten sich in dieser Woche zum Thema Wasserverschmutzung an die Lokalredaktion gewandt. Die Beobachtungen hatten zwei unterschiedliche Stellen betroffen. Zum einen floss am Dienstag auf Höhe der Bäckerei Eckerle in Steinbach trübes Wasser in den Bach. Laut Daniel Noyes vom Fachgebiet Umwelt und Arbeitsschutz hat der zuständige Eigenbetrieb Umwelttechnik schnell die Kanäle überprüft, um nachvollziehen zu können, woher das Wasser kam. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass vermutlich ein Rohrbruch in der Obere Stabstraße am vorangegangenen Montagabend ursächlich war, wodurch sogenanntes Lössmaterial in den Bach gelangte.

Zum anderen war der Steinbach am Wochenende am oberen Ende der Neuweierer Mauerbergstraße eingetrübt. „Kein Drama“, gab auf BT-Nachfrage Rudolf-Karl Teichmann, Fachgebietsleiter Umwelt und Arbeitsschutz, Entwarnung. Dort wolle ein Anwohner einen neuen Teich anlegen. Das Wasser für diesen Teich soll wohl aus einem nebenliegenden, schon bestehenden ehemaligen Feuerlöschteich gepumpt werden. Bei diesen Pumpversuchen sei Bodenmaterial (Schlamm, Sand, Steinchen) aufgewühlt worden und so sei die Trübe entstanden.

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Erstellt:
25. April 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
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