Kontaktloser Staffellauf begeistert Varnhalter Kinder

Von Cornelia Hecker-Stock

Baden-Baden (co) – Bewegung gemeinsam mit Gleichaltrigen – Was sich viele sportbegeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene momentan wünschen, ist wegen der Corona-Krise derzeit nicht möglich. Sarah Saponari hatte eine kreative Idee, um dieses Problem – zumindest für einen Nachmittag –-zu lösen. Sie veranstaltete gemeinsam mit Stefan Scheurer und anderen Eltern einen kontaktlosen Staffellauf durch Varnhalt.

Kontaktloser Staffellauf begeistert Varnhalter Kinder

Voller Begeisterung startet Zoe mit ihrem Papa Stefan Scheurer als Erste beim kontaktlosen Staffellauf. Foto: Hecker-Stock

Die momentane Ausgangsbeschränkung neben geschlossenen Kitas und Schulen bedeutet für viele Familien und Alleinerziehende eine Herausforderung. Dass so was kreative Ideen freisetzen kann, zeigte sich jetzt bei einem kontaktlosen Staffellauf für die jüngsten Varnhalter.Sarah Saponari ist mit ihrer Familie erst vor eineinhalb Jahren nach Varnhalt gezogen und kennt noch nicht viele Einheimische. Durch die Kommuniongruppe wurde sie von einer Teilnehmerin in die gemeinsame App der Varnhalter Kindergruppe eingefügt. Auch die Grafikerin trifft die Situation, während ihrer Arbeit im Home-Office ständig für ihre beiden Jungs ansprechbar zu sein. Die Herausforderung sieht sie unter anderem darin begründet, dass es lokal in Varnhalt nicht möglich sei, ihren Datenrahmen aufzustocken, was ihre Arbeit zusätzlich erschwert.

Und da ihre beiden Söhne nicht so die Malhelden sind und sich deshalb für die derzeit großflächige Regenbogen-Malaktion nicht erwärmen können, hatte sie eine Idee. Wie wäre es denn, etwas Sportliches auf die Beine zu stellen?

Sie war völlig perplex von der riesigen Resonanz im Ort. Über die App hatten sich innerhalb kurzer Zeit 23 Familien angeschlossen und wollten bei ihrem geplanten kontaktlosen Staffellauf mitmachen. Die Idee war, eine Route für die Kids auszuarbeiten, quer durch das Dorf von einer Familie zur nächsten. Der Staffelstab sollte vor die Haustüre gelegt werden, dann klingelten die Kinder und verdrückten sich wieder, bevor der nächste Starter lossauste – oder gemütlich seine Strecke spazierte, das blieb jedem selbst überlassen. So hatten die Kinder keinen körperlichen Kontakt, konnten sich aber sehen und einander zuwinken.

Nun wurden von verschiedenen Seiten weitere Ideen eingebracht. Stefan Scheurer, bei dem die Aktion in der Umweger Straße startete, stellte als Staffelstab eine kleine Kamera auf einem Ministativ zur Verfügung. Um sie zu schonen, wartete bei jedem nächsten Stopp ein Kissen vor der Haustür, worauf der Stab abgelegt wurde. Die Klingeln der Teilnehmer waren für die kleinen Läufer markiert worden. Scheurer ließ die Kamera die ganze Strecke über eingeschaltet, so kann er noch einen lustigen Film über diese Rallye zusammenschneiden.

Er und seine Familie sehen das ungewohnte, permanente Miteinander noch ziemlich entspannt. Beide Eltern machen Home-Office und teilen sich in Schichten auf, seine Frau beginnt schon frühmorgens um vier und wird dann von ihm abgelöst. Beide erklären ihren Mädels, das derzeit viele Menschen krank sind und deshalb häufiges Händewaschen und gebührender Abstand ganz wichtig sind. Worauf Zoe fröhlich auf die Frau von der Presse zuspringt und damit deutlich macht, dass Kinder halt keine Maschinen sind.

Die Familie hat sich gut organisiert und empfindet nur wenig Stress, doch man denke viel an Alleinerziehende oder Menschen, die vor dem wirtschaftlichen Bankrott stehen und deren existenzielle Nöte, sagt Scheurer auf dem Heimweg von der ersten Station. Nach dem Start in seinem Hof hat die Übergabe an die zehnjährige Lilly per Klingel und Kissen reibungslos geklappt, sofort flitzt sie, den Stab in der behandschuhten Hand, voller Begeisterung weiter, ihre Mutter kommt kaum hinterher.

Rundstrecke zurück zu Familie Scheurer

Die gesamte, von Saponari ausgearbeitete Strecke verläuft über die Kastanienhalde, Weinsteige, Kirchberg, Röderswaldweg und den Lindenbosch sowie über mehrere Seitenstraßen bis zur Endstation Gallmattenstraße bei Sarah Saponari, die den Stab mit ihren Jungs zu Scheurer zurückbringt. Die siebenjährige Zoe und ihre fünfjährige Schwester Luca waren mit ihrem Papa da schon lange wieder daheim, wo sie sich auch gut beschäftigen können.

Zoe, die den Staffellauf „richtig cool“ fand, sieht allerdings für die kommenden Wochen ein echtes Problem: „Es gibt einfach zu wenig Meere hier“.