„Gigantische“ Veränderung des Stadtwalds

Baden-Baden (hez) – An manchen Waldhängen sorgte Orkan „Lothar“ vor 20 Jahren für einen Kahlschlag Heute haben sich die damaligen Sturmflächen aber gut erholt, neuer Wald ist entstanden. Und die Laubbäume sind im Kurstadt-Forst auf dem Vormarsch.

Freigeräumt hatte Orkan „Lothar“ 1999 den Hang hinter dem Gasthaus „Forellenhof“. Foto: Stadtpressestelle

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Freigeräumt hatte Orkan „Lothar“ 1999 den Hang hinter dem Gasthaus „Forellenhof“. Foto: Stadtpressestelle

Von Henning Zorn

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 fielen im Stadtwald auf einer Fläche von rund 2000 Hektar unzählige Bäume dem Orkan „Lothar“ zum Opfer. Heute hat sich der kurstädtische Forst nicht nur davon wieder erholt, sondern weist auch Veränderungen zu seinem Vorteil auf. Eine Bilanz der Folgen des Orkans vor 20 Jahren zog gestern das Forstamt bei einem Pressegespräch.

Wer heute den Waldhang hinter dem Hotel-Restaurant „Forellenhof“ in Oberbeuern betrachtet, kann sich kaum vorstellen, was „Lothar“ hier einst angerichtet hat. Fotos zeigen aber, dass der Hang mehr oder weniger komplett abgeholzt worden war. Heute sieht man hier einen vitalen, bereits bis zu 20 Meter hohen Mischwald aus vielen jungen Douglasien, aber auch mit einem recht hohen Anteil an Laubbäumen.

Sturmflächen haben sich gut erholt

Und andere Sturmflächen haben sich ähnlich gut erholt, überall schreitet die Regeneration des damals schwer getroffenen Stadtwalds fort. Von daher, so betonte gestern Forstamtsleiter Thomas Hauck, habe das Ökosystem Wald den Orkan gut überstanden.

Die Forstwirtschaft allerdings bekommt immer noch die Folgen zu spüren. „Lothar“ hatte damals rund 900000 Festmeter Holz abgeräumt. Dies reduzierte die jährliche Holzernte von vorher etwa 50000 Festmeter auf heute 36000 Festmeter. Das ist nur die Hälfte der Holzmenge, die pro Jahr im Stadtwald dazukommt. So geht das Forstamt aufgrund der Abnahme der Holznutzung von einem bisherigen Gesamtschaden von rund zehn Millionen Euro aus. Auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren wird ein Teil der Holzeinnahmen fehlen, während Pflegekosten in bleibender Höhe anfallen.

Dem Wald aber hat „Lothar“ durchaus gutgetan. Der Umbau hinsichtlich der Baumarten hat sich dadurch noch erheblich beschleunigt. Bestand der Stadtwald noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem aus Tannen und Buchen, so sind im Laufe der Zeit etliche andere Arten hinzugekommen.

„Lothar“ hat dabei vor allem der Verbreitung von Laubbäumen einen kräftigen Schub verpasst: Ihr Anteil ist von 39 Prozent im Jahr 1999 auf inzwischen 52 Prozent gestiegen. Thomas Hauck sieht dies als eine „gigantische Veränderung“ des Stadtwalds an. Und auffällig ist dabei, dass dies besonders Laubbäumen zu verdanken ist, die vorher nur wenig im Baden-Badener Forst vertreten waren.

Gerade die Vielfalt der Arten ist ein zentraler Baustein, mit der die Forstverwaltung den heimischen Wald im Rahmen des Klimawandels zukunftsfähig machen will. Angesichts verstärkter Trockenheit und häufigerer extremer Wetterereignisse müsse man damit rechnen, so Hauck, dass nicht alle Arten überleben können. Daher setze man auf große Vielfalt zur Erhaltung des Waldes. „Das ist unsere Hoffnung“, unterstrich der Amtsleiter.

Die Wiederbewaldung der „Lothar“-Flächen wurde nur zu etwa 50 Prozent von der Forstverwaltung „gelenkt“ durch Bepflanzungen. Ansonsten hat sich hier die Naturverjüngung mit an den Standort angepassten Baumarten bewährt – darauf will man auch in Zukunft vertrauen.

Neben dem Wandel des Waldes hatte „Lothar“ auch noch andere gute Seiten. Profitiert haben Tier- und Pflanzenarten, die viel Licht oder auch abgestorbenes Holz benötigen. Zeitweise angewachsen sind zum Beispiel die Auerhahn-Bestände, doch inzwischen ist hier wieder ein Rückgang zu verzeichnen, da der Wald wieder zugewachsen ist.

Letzteres werden auch viele Waldbesucher feststellen, denn die vor 20 Jahren zahlreich entstandenen wundervollen Ausblicke sind zum Großteil wieder verschwunden. Einige markante Aussichtspunkte werden allerdings vom Baden-Badener Forstamt offengehalten.

Forstamtsleiter Thomas Hauck (links) und Stadtpressesprecher Roland Seiter zeigen auf: Der nach „Lothar“ verschwundene Wald am Hang ist wieder da.

© hez

Forstamtsleiter Thomas Hauck (links) und Stadtpressesprecher Roland Seiter zeigen auf: Der nach „Lothar“ verschwundene Wald am Hang ist wieder da.

Wo „Lothar“ einst eine Freifläche produzierte, steht nun ein junger und sehr vitaler Mischwald.

© hez

Wo „Lothar“ einst eine Freifläche produzierte, steht nun ein junger und sehr vitaler Mischwald.

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Erstellt:
3. Januar 2020, 00:00 Uhr
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