Es gibt einen Plan B für den Christkindelsmarkt

Baden-Baden (hol) – Weniger Händler, Wertgutscheine am Eingang: Plan B für den coronagerechten Christkindelsmarkt ist auch eine „Chance für die Zukunft“, sagt Tourismus-Chefin Nora Waggershauser.

Abwarten und die Beine baumeln lassen: Nicht nur diese Weihnachtswichtel, sondern viele Baden-Badener warten gespannt, ob es in diesem Jahr ein Budendorf im Kurpark geben wird. Foto: Monika Zeindler-Efler/Archiv

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Abwarten und die Beine baumeln lassen: Nicht nur diese Weihnachtswichtel, sondern viele Baden-Badener warten gespannt, ob es in diesem Jahr ein Budendorf im Kurpark geben wird. Foto: Monika Zeindler-Efler/Archiv

Von Harald Holzmann

Christkindelsmarkt und Corona: zwei Begriffe, die nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Oder doch? „Wir glauben immer noch fest an den Markt“, sagt Nora Waggershauser, Chefin der Baden-Baden Events GmbH, die den alljährlichen weihnachtlichen Budenzauber vor dem Kurhaus organisiert. Mit ihrem Team hat sie einen Plan B ausgearbeitet.

„Der Markt ist eine wichtige Attraktion in der Kurstadt“, betont die BBE-Chefin. Er generiere viele Übernachtungen. „Es wäre fatal für die Hotellerie und Gastronomie, wenn wir einfach darauf verzichten würden.“ Deshalb will Waggershauser so lange wie möglich an der Planung für das Event festhalten. Klar ist aber: So wie bisher wird es nicht weitergehen.

Doch einige der von ihrem Team angedachten Veränderungen am Konzept sieht Waggershauser nicht nur negativ. Beispielsweise sei der Markt in den Vorjahren oft viel zu überlaufen gewesen. Da schoben sich die Besucher nur so an den Ständen vorbei. „An ruhigeren Tagen machen die Händler mehr Umsätze“, hat sie beobachtet und meint deshalb: „Die geplanten Veränderungen könnten für den Christkindelsmarkt auch eine Chance sein für die Zukunft.“

Und so sieht der Plan B für den Christkindelsmarkt trotz Corona aus:

Händler:

Das Bewerberverfahren für den Christkindelsmarkt 2020 ist abgeschlossen. „Wir hatten viele Zusagen“, sagt Waggershauser. „Wir haben aber schon bei der ab April laufenden Vergabe auf Corona reagiert und die Anzahl der vorgesehenen Verkaufshütten um 30 Prozent reduziert.“ Statt wie bisher für knapp 130 Hütten hat es also nur 90 Zusagen gegeben. „Es hat eine kleine Reduktion in allen Segmenten gegeben“, sagt sie. „Aufstocken können wir gegebenenfalls ja immer noch.“

Standort:

„Falls der Markt stattfinden kann, werden wir auf jeden Fall auf dem Gelände des Kurparks bleiben“, sagt Waggershauser. Alternativen dazu seien nur schwer zu realisieren. Eine Verteilung einzelner Stände über die gesamte Innenstadt, wie sie immer wieder ins Spiel gebracht wird, sei zu teuer. „Wir brauchen Ent- und Versorgung für die Stände. Wir müssen für Sicherheit sorgen. Die Händler und Besucher brauchen Toiletten“, erklärt die BBE-Chefin. Auf die gesamte Innenstadt gesehen würden die Kosten dafür überproportional steigen. Der Kurpark dagegen sei, auch weil er umzäunt ist und durch Gebäude von der Umgebung abgeschirmt, leichter zu bespielen, auch unter Coronabedingungen.

Zugangskontrollen:

Es müsse auf alle Fälle davon ausgegangen werden, dass lediglich eine begrenzte Anzahl von Besuchern gleichzeitig auf den Markt dürfe, sagt Waggershauser. Wie hoch diese Zahl sein wird, weiß sie noch nicht. Klar ist aber: Man braucht eine Zugangskontrolle mit einem einzigen Eingang und separaten Ausgängen. Geplant ist dabei der Verkauf von Wertgutscheinen an die Besucher, wie Waggershauser sagt. Diese Gutscheine könnten pro Person drei oder fünf Euro kosten und wäre dann in voller Höhe an allen Ständen einlösbar. „Einen Eintritt wollen wir nicht erheben“, betont die BBE-Chefin. Mit den Gutscheinen könnte man aber vermeiden, dass reine Bummelgäste den Markt besuchen, die nichts kaufen wollen, kaufwilligen Besuchern aber Plätze wegnehmen. Ob es für die Marktbesucher Zeitfenster geben wird wie bei Schwimmbädern, steht noch nicht fest. Klar ist aber: „Eine Nachverfolgung mit Adressenangabe oder gar Fiebermessen am Eingang wird es nicht geben. Das können wir nicht leisten.“ Wenn die Coronabestimmungen im Advent so etwas vorsähen, werde der Markt nicht stattfinden.

Ampelregelung

Auf irgendeine Weise will die BBE für anreisewillige Besucher „sichtbar machen, wie voll der Markt gerade ist“, sagt Waggershauser. Gedacht ist an eine Art Ampel im Internet mit grüner, gelber und roter Farbe – je nach Stärke des Besucherzustroms. „Wir müssen auf jeden Fall Warteschlangen vermeiden“, weiß sie, und es dürfe auch nicht sein, dass sich Menschen zu Tausenden auf den Weg in die Kurstadt machten, dann aber wegen Überfüllung nicht aufs Gelände dürften.

Attraktionen/Programm

„Der Markt wird ein anderes Gesicht bekommen dieses Jahr“, sagt die BBE-Chefin. Die Chancen für ein Live-Programm in der Kurhaus-Muschel stehen schlecht. „Die Menschenansammlung davor wäre zu groß“, so Waggershauser. Man werde die weihnachtliche Beschallung des Marktes anders gestalten. Auch Attraktionen würden wohl wegfallen, denn: „Wir werden insgesamt deutlich weniger Einnahmen haben.“ Ob es in diesem Jahr also eine lebendige Krippe, Märchenstraße, Kirchenfenster-Allee oder den riesigen Weihnachtsbaum auf der Kurhauswiese gibt, ist fraglich.

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Erstellt:
4. Juli 2020, 09:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 10sec

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