Eltern haben immer Zutritt

Baden-Baden (red) –Der Zugang zur Kinderintensiv-Station 3G der Balger Klinik ist geschlossen, aber die Eltern erhalten eine Chipkarte, mit welcher sie 24 Stunden Zugang zu ihrem Kind haben.

Judith Wohlfahrt, stellvertretende Bereichsleiterin Pflege, mit einem ihrer Schützlinge auf der Intensivstation für Neugeborene in der Balger Klinik. Foto: KMB

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Judith Wohlfahrt, stellvertretende Bereichsleiterin Pflege, mit einem ihrer Schützlinge auf der Intensivstation für Neugeborene in der Balger Klinik. Foto: KMB

„Bitte leise. Die gerade geborenen Frühchen brauchen viel Ruhe“, erklärt Judith Wohlfahrt, stellvertretende Bereichsleiterin der Kinderklinik, bei der Begrüßung auf der Kinderintensiv-Station 3G der Balger Klinik. „Die Eltern dürfen immer kommen, sie sind keine Besucher. Wir versuchen, Mutter und Vater die Versorgung ihres Kindes so schnell es geht zu ermöglichen. Sie sollen das Baby alleine und selbstständig betreuen, aber wir sind natürlich zur Sicherheit im Hintergrund“, erläutert Judith Wohlfahrt.

Das sogenannte Bonding ist sehr wichtig für die Kleinen, denn dabei wird ein starkes emotionales Band zwischen Eltern und Kind gebildet, welches die Grundlage für alle weiteren Beziehungen legt. „Die Kinder werden bis auf die Windel ausgezogen und auf den ebenfalls freien Oberkörper der Mutter oder des Vaters gelegt. Das Baby spürt durch den Geruch, die Stimme und die Berührung, dass es zuhause ist, fühlt sich geborgen und kann so seinen Urinstinkt entwickeln“, führt die stellvertretende Bereichsleitung in einer Pressemitteilung weiter aus.

In der Balger Klinik liegt der Schwerpunkt der Kinderintensiv-Station auf der Neonatologie, den Frühgeborenen mit Entbindungen ab der 29. Schwangerschaftswoche und den kranken Neugeborenen. So verfügt die Station über zehn Betten, von welchen neun für Früh- und Neugeborene vorgesehen sind, und eines für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr. Momentan versorgen die Schwestern sechs Frühchen. Der Tag beginnt für die Kleinen mit dem Frühstück. „Am Anfang versuchen wir einen festen Nahrungsrhythmus von drei bis vier Stunden einzuhalten. Kurz vor der Entlassung geben die Kinder aber ihren eigenen Rhythmus vor, auf den wir eingehen. Wir achten sehr darauf, wie sich jedes Kind entwickelt“, betont Wohlfahrt.

Außerdem findet jeden Vormittag eine Visite statt. In dieser tauschen sich der leitende Oberarzt Dr. Omar Abubaerah, die Stationsärztin und die zuständigen Kinderkrankenschwestern im Arztzimmer aus. Dabei wird das Gewicht des Babys dokumentiert und – ausgehend von Gewicht, Blutergebnissen und der Einschätzung der Ärzte und den Pflegekräften – die weitere Behandlung festgelegt. Dazu zählt auch, ob die Nahrung gesteigert werden kann, wie viele Mahlzeiten gegeben werden sollen und welche Medikamente notwendig sind.

Physiotherapeutin unterstützt Atmung


Einmal pro Tag kümmert sich zudem eine Physiotherapeutin um die Babys. Sie testet die Reflexe und die Beweglichkeit und versucht, die Atmung zu unterstützen. „Wir haben vier Beatmungsplätze auf der Station, aber meistens brauchen die Frühchen diese gar nicht, weil bereits im Vorfeld Medikamente für die Lungenreife gegeben wurden. Oft reicht eine Atemhilfe aus. Hierbei hat das Kind nur eine Maske auf der Nase, die Luft hinein pustet. Im Gegensatz zum Beatmungsgerät atmet das Baby alleine, die Maschine unterstützt nur“, klärt Wohlfahrt auf.

Neben der notwendigen Versorgung durch Nahrung, Wickeln, Medikamentengabe und der Monitorüberwachung, welche die Herzfrequenz, die Atmung, die Hauttemperatur und die Sauerstoffsättigung kontrolliert, versuchen die Schwestern aber vor allem, die Neu- und Frühgeborenen so wenig wie möglich zu stören. Denn sie sollen in Ruhe gesund werden und wachsen können.

„Es ist mittlerweile erwiesen, dass sich das Gehirn und die Organe im Schlaf entwickeln. Deshalb sind wir immer darauf bedacht, den Kindern so viel Ruhe wie möglich zu geben“, so die stellvertretende Bereichsleitung. Natürlich gibt es Untersuchungen und Eingriffe wie zum Beispiel das Legen eines Venenzugangs oder eines Katheters, die unumgänglich sind. Aber der Fokus liegt auf der Kinderintensiv-Station darauf, das Kind nicht unnötig zu stressen oder zu vielen Reizen auszusetzen.

Gute Kommunikation im Team ist wichtig


„Um dies umsetzen zu können, bedarf es einer engen Abstimmung und guten Kommunikation im Team. So achten wir beispielsweise bei der Blutentnahme darauf, dass wir immer zu zweit sind. So kann eine Pflegekraft das Blut abnehmen, während die andere das Baby beruhigt“, hebt Wohlfahrt hervor. Die Entwicklung ist laut Mitteilung ein Prozess, den das Kind vorgibt: „Mal geht es zwei Schritte vor, dann jedoch auch wieder einen Schritt zurück. Aber das ist normal. Wichtig ist, dass die Eltern ein großes Vertrauen haben, dass alles gut werden wird und dieses auch an ihr Kind weitergeben“, so Wohlfahrt.

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Erstellt:
12. Mai 2020, 16:15 Uhr
Lesedauer:
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