Ein Leben voller Schicksalsschläge

Baden-Baden (red) – Agnes von Baden hatte wahrlich kein leichtes Leben. Nur zwei Jahre nach ihrer Heirat im Jahr 1432 beginnt für sie eine 40 Jahre dauernde Gefangenschaft: Ihr eigener Bruder verbannt sie auf Burg Eberstein. Und auch schon davor hat sie etliche Schicksalsschläge erleben müssen.

Agnes von Baden wird bis zu ihrem Tod 40 Jahre lang von ihrem Bruder auf Alt-Eberstein gefangen gehalten. Foto: Günther Baye/SSG

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Agnes von Baden wird bis zu ihrem Tod 40 Jahre lang von ihrem Bruder auf Alt-Eberstein gefangen gehalten. Foto: Günther Baye/SSG

Über ihr Aussehen und ihre Persönlichkeit weiß man wenig – über ihr Schicksal weiß man mehr: Agnes, Herzogin von Schleswig, wurde von 1434 bis zu ihrem Tod 1473 von ihrem Bruder Jakob I. von Baden auf Burg Eberstein gefangen gehalten. Zwei Jahre vor ihrer Gefangennahme, am 2. Juni 1432, hatte sie Gerhard VII. aus dem Haus Holstein-Schauenburg geheiratet.

Am 2. Juni 1432 heiratete Agnes, geboren am 25. März 1408, Tochter von Markgraf Bernhard I. von Baden, Gerhard VII. aus dem Haus Schauenburg – er war Herzog von Schleswig und Graf von Holstein. Die Ehe war arrangiert und Agnes folgte damit dem Wunsch ihres Bruders, Markgraf Jakob I. von Baden. Warum Jakob einen so weit entfernt liegenden Hof für die Verbindung auswählte, ist nicht bekannt. Üblich war das nicht, doch sicher waren politische Interessen im Spiel, blicken die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) zurück.

Agnes von Baden ging mit dem „Zwillingssturz von Gottorf“ in die Geschichte ein, heißt es weiter. Im Januar 1433 stürzte Agnes auf einer Treppe im schleswigschen Schloss Gottorf. Danach bekam sie Wehen und gebar gesunde Zwillinge.

Vom eigenen Bruder auf die Burg verbannnt

Das Problem war nur: Seit der Hochzeit waren kaum sieben Monate vergangen und das Ehepaar lebte wegen der Abwesenheit Gerhards erst seit Oktober zusammen am Hof. Böses Gerede musste sich Agnes nun anhören – bis Gerhard erklärte, er selbst habe die Kinder nach der Trauung, aber vor der gemeinsamen Hofhaltung gezeugt. Dazu seien sie frühzeitig nach sieben Monaten geboren worden.

Gerhard war schwer lungenkrank. Er reiste mit Agnes in der Hoffnung auf Genesung nach Baden-Baden. Doch es war zu spät: Am 24. Juli 1433 starb er auf dem Weg in die Kurstadt. Sein Bruder war auf Agnes schlecht zu sprechen – er verweigerte ihr die Rückkehr nach Schleswig und den Kontakt zu ihren Kindern, die er nicht für die seines Bruders hielt. Beide Zwillinge starben schon bald – und damit hatte das Haus Schauenburg keine Erben mehr. Aber auch in der Markgrafschaft Baden war Agnes unwillkommen – sie hatte die politischen Pläne ihres Bruders Jakob durchkreuzt.

Jakob hatte jetzt neue Ideen, um seinen Einfluss auf Schleswig zu sichern: Agnes sollte den Herzog von Schlesien-Oels heiraten. Aber sie verlobte sich mit ihrem früheren Geliebten Hans von Höwen. Voller Zorn verbannte Jakob I. seine Schwester auf die Burg Eberstein. Gerhards Bruder verweigerte ihr zudem die Witwenpension. Auch die Fürsprache des Konzils in Basel, das damals tagte, und sogar die des Kaisers nutzten ihr nichts. 1473 starb Agnes nach fast vierzig Jahren Gefangenschaft auf der Burg.

Viele historische Monumente konnten ab dem 12. Mai wieder ihre Tore öffnen, teilen die SSG mit. Einige müssen allerdings aufgrund der geltenden Corona-Verordnungen vorerst weiterhin geschlossen bleiben – darunter auch die Burg Alt-Eberstein.

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Erstellt:
4. Juni 2020, 14:00 Uhr
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